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Wenn die Angst als Antrieb verschwindet • mein Weg zu Resilienz und Selbstwirksamkeit

Blog, Hilfe bei Hochsensibilität Oktober 21, 2026

Was mich mein erster Waldlauf nach anderthalb Jahren über Hochsensibilität, Selbstbestimmung und das Wiederankommen bei mir selbst gelehrt hat.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich wieder mit dem Laufen angefangen habe … Aber ich kann ganz klar sagen, was es mich über Resilienz gelehrt hat. Und dass es mir als hochsensibler Frau in einer Zeit von Depression und Burnout gezeigt hat, wie stark ich eigentlich wirklich bin.

Laufen und ich haben eine lange On-off-Beziehung. Trotzdem war das Wiederanfangen diesmal anders und hat mir deutlich gezeigt, was alles hinter mir liegt. Und wie ich heute bin.

Waldsehnsucht und ganz viel Druck

Egal wann ich beschlossen habe, wieder mit dem Laufen anzufangen, es war stets eine Mischung aus Waldsehnsucht (super!) und ganz viel Druck (doof!).

Meistens hat mich ein Blick auf die Waage oder in den Spiegel in den Wald getrieben. Dort schnaufte und quälte ich mich eine Stunde, um dann halbwegs beruhigt wieder nach Hause zu fahren.

In der Zeit meines Burnouts war es für mich eine Entscheidung aus Angst: Du MUSST gesund werden, stark bleiben, und du MUSST raus, den Kopf frei kriegen. Auch wenn sie hier eine sinnvolle Funktion erfüllte: gelaufen bin ich aus der Angst, ansonst unterzugehen.

Auch in den Jahren vor dem Burnout war Angst mein ständiger Begleiter und suggerierte mir so wunderbare Dinge wie: Du musst schlank sein, du musst stark sein, du musst so leistungsbereit sein wie alle anderen, damit du anerkannt wirst, und – ganz wichtig – damit keiner merkt, dass du nicht normal bist.

Und als das Optimierungs-Projekt „so sein wie alle anderen“ gescheitert, Burnout und Depression da war, drehte sich beim Laufen das Gedankenkarussell um all meine Lebensfragen und Probleme.

Das Laufen tat mir zwar immer gut. Aber der Stress und die Angst, die das Gefühl „performen zu müssen“ erzeugte, war ein echter Energiekiller statt Energielieferant.

Waldlauf im Flow

Erst viel später, als ich für mich die Meditation entdeckt hatte, meine Yogalehrerausbildung machte und tiefer in die Spiritualität eintauchte, wurde mein Waldlauf zum echten Flowzustand.

Der Kopf wurde leicht und der Körper plötzlich auch – obwohl auch die Essstörung verschwand, in die ich mich in Zeiten der Angst hineinmanövriert hatte.

Es gelang mir immer häufiger, die Gedanken „abzuschalten“ und Zustände tiefsten Glücks zu erleben, einfach nur zu sein. Paradiesisch!

Es kam nicht darauf an, wie schnell ich war oder wie weit ich lief. In dieser Zeit fand ich zu meinem „Laufstil“: Traben – das ist eine Stufe nach Gehen. 😂💪

Aber der Druck, „performen“ zu müssen, ein Ergebnis zu erreichen (nach gesellschaftlichen Maßstäben fit und attraktiv zu bleiben), lief oft immer noch mit, und lieferte mir damit den Anlass überhaupt erst aktiv zu werden.

Als die Angst als Antrieb fehlte

Doch dann passierte etwas Verrücktes:
Je weiter ich mich entwickelte, je größer mein Blick auf das große Ganze wurde, und je deutlicher ich die Mechanismen begriff, die hinter meinen Ängsten steckten, desto mehr verblassten sie. Das war ein schleichender Prozess, den ich lange kaum bemerkt habe.

Als die Angst weg war, fehlte mir der Druck laufen gehen zu müssen, mich gesund zu ernähren, mich konsequent zu entspannen.

Es war verrückt: Auf einmal fehlte mir die Angst als Ausschlaggeber, die mich so oft ins Handeln gezwungen hatte, wenn mein Kopf mal wieder sagte: „Och, jetzt gerade lieber nicht…“

Ein völlig neuer Zustand!

Diesmal brauchte ich anderthalb Jahre, um wieder mit dem Laufen anzufangen!

Und dann lief es auf einmal ganz anders…

Als ich endlich wieder in den Wald aufbrach, war es ein einziger spontaner, aber klarer Entschluss des Vorabends: Es reicht. Ich brauche meinen Wald und mein Laufen. Ich brauche meine Muskulatur zurück. Und zwar jetzt. Rein in den Herbstwald, mein eigenes Entspannungsprogramm neu beleben, nachdem ich in der letzten Zeit eigentlich nur noch für die Entspannung anderer lieber Menschen da war.

Ich wollte wieder laufen, weil ich wusste, dass es mir guttun würde. Weil ich es wollte. Nicht, weil ich Angst vor den Konsequenzen hatte, wenn ich es nicht tun würde.

Es war eine klare Entscheidung und sie hatte eine klare Handlung zur Folge.

Als Burnout-Erfahrene weiß ich, wie schnell man unbemerkt in etwas hineinrutscht, aus dem man sich erstmal wieder herauskämpfen muss. Entspannung sollte für jeden Menschen das oberste Ziel sein. Sie ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes und gesundes Leben.

Keine Angst, kein Druck, kein Gedankenkarussell

Wie schnell ich nach anderthalb Jahren Pause wieder drin war, hat mich selbst überrascht.

Keine Angst, kein Druck, kein Gedankenkarussell.

Der alte Rhythmus war sofort wieder da, noch ein bisschen kurzatmig, aber da ich für niemanden mehr performen musste, habe ich mir an jedem Fliegenpilz eine Fotopause gegönnt.

Wie schön der Wald gerade aussieht! Als Novemberkind liebe ich den Herbstwald.

Dieser Waldlauf hat mir gezeigt, wie weit ich bin: Wie schnell ich aus einer stark mit Stress belasteten Zeit wieder in die Ruhe und Freude gehen kann. Und wie falsch meine Einschätzung über meinen körperlichen Zustand war: Mein Kopf hatte meinen Trainingszustand völlig unnötig überdramatisiert!

Diese Beobachtung habe ich auch bei anderen entspannenden Tätigkeiten gemacht, die ich mir zuletzt gegönnt habe: eine Yogastunde für mich, Journaln, Musik machen, kreativ sein.

Resilienz bedeutet für mich, wieder zu mir selbst zurückzufinden

Es fällt mir heute leichter, umzuschalten. Mich selbst aus der Stressspirale zu holen.

Das bedeutet für mich Resilienz.

In meiner eigenen Entspannungspraxis und meinem Erkenntnisprozess darüber, wer ich eigentlich WIRKLICH bin und welche besonderen Bedürfnisse ich ganz individuell habe, um ein gutes Leben zu führen, habe ich die Stärke gefunden, immer wieder zu mir selbst zurückzukehren.

Schneller als je zuvor.

Das ist eine Superkraft, von der ich auch immer noch wieder mal Gebrauch machen muss. Denn unsere moderne Gesellschaft bietet so viele Anlässe, in denen wir unsere Kräfte testen dürfen. Und das macht Stress.

Aber dieses Gefühl, nach der akuten Herausforderung zu sehen, wie schnell man wieder zu sich zurückfinden konnte – zum natürlichen Grundzustand der Entspannung -, ist unbezahlbar.

Hochsensibilität bedeutet nicht, ständig am Leistungslimit zu leben

Ein hochsensibler, neurodivergenter Mensch zu sein bedeutet nicht, am Leistungslimit in einer Welt zu existieren, in die du nicht passt.

Es bedeutet, dich selbst so gut zu kennen, dass du dir eine Welt schaffst, in der du dir selbst zum eigenen Safe Space werden kannst.

Zur Ruhe kommen und beginnen steht jedes Mal am Anfang – wenn nötig wieder und wieder. Aber es wird mit jedem Mal leichter. Du wirst zum resilienten Stehaufmännchen.

Du fängst nicht mehr bei null an, sondern baust auf dem auf, was du bereits geschafft hast.

Und irgendwann siehst du so wie ich heute:

Wow, ich bin nicht mehr unterwegs. Ich bin da. Bei mir.

Dieser Ort ist mein Zuhause und ich kann jederzeit in seine Sicherheit zurückkehren und tiefe Freude empfinden. (Ganz leicht fällt dir das auch mit der Meditation, die ich unten für die verlinkt habe!)

Bestimmt kennst du das auch: Du weißt, was dir guttut, aber manchmal kommst du einfach nicht ins Handeln. Sensible Menschen überlassen so oft der Angst die Entscheidung. Mach nicht denselben Fehler wie ich. Triff deine Entscheidungen aus vollem Herzen!

Was wäre, wenn du nicht noch mehr Druck brauchst, sondern einen echten Grund, mit etwas beginnen? Zum Beispiel weil du dich darauf freust.

Ich wünsche dir alles Liebe! ❤️


Bonus:

Warum dir Bewegung im Wald so guttun kann

Waldbaden, Spaziergänge und sanftes Laufen in der Natur können sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken. Studien zeigen unter anderem:

  • Weniger Stress: Naturaufenthalte können helfen, Anspannung und negative Gefühle zu reduzieren.
  • Bessere Stimmung: Bewegung im Grünen kann Freude, innere Ruhe und psychisches Wohlbefinden fördern.
  • Mehr körperliche Kraft: Regelmäßige Bewegung unterstützt Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ausdauer und körperliche Fitness.
  • Erholung für den Kopf: Natürliche Umgebungen können die mentale Erholung und Aufmerksamkeit unterstützen.

Das Schöne daran: Du musst keine sportlichen Höchstleistungen erbringen. Auch ein gemütlicher Waldspaziergang verbindet Bewegung mit Naturerleben. Und manchmal ist die Pause am nächsten Fliegenpilz genauso wertvoll wie der Weg dorthin. 🍄

Diese Aussagen sind durch Forschung zu Bewegung, Naturaufenthalten und sogenanntem Green Exercise gestützt. Eine neuere Metaanalyse zeigt positive Effekte auf Wohlbefinden und Stimmung; wie groß der zusätzliche Vorteil gegenüber Bewegung in Innenräumen ist, lässt sich allerdings noch nicht abschließend bestimmen.

Quellen:
Metaanalyse zu Green Exercise (2026)
WHO-Informationen zu körperlicher Bewegung


Weitere Ressourcen:

Diese sanfte Trancereise kann dich dabei unterstützen wieder in die Sicherheit deines inneren Zuhauses einzutauchen:

„Run for your Life“ von William Pullen hat mir vor vielen Jahren geholfen, meine Laufpraxis zu überdenken und zu erkennen, wie wichtig die Kombination von Bewegung und Achtsamkeit ist.

(Es handelt sich um einen Affiliate-Link, wenn du über den Link etwas kaufst entstehen dir keine weiteren Kosten, aber ich erhalte einen kleinen Wertschätzungsbeitrag)

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